Nr. 3/2009
Anzeige
Seite 40
ECHO
ECHO
ECHO
ECHO
ECHO
ECHO
ECHO
ECHO
ECHO
ECHO
ECHO
ECHO
ECHO
ECHO
ECHO
ECHO
ECHO
ECHO
ECHO
ECHO
geschlagen werden. Weiter gab er als Tagesvor
trieb etwa 1,5 m bei störungsfreiem Betriebsab
lauf an. Eine beachtliche Vortriebsleistung,
wenn man bedenkt, dass die Löcher per Hand
gebohrt wurden und dass Schwarzpulver als
Sprengstoff zum Einsatz kam.
Grubenförderung
Nach Wiederaufnahme des Stollenvortriebs
nach dem Jahr 1809 kamen verschiedene Va
rianten der Streckenförderung zum Einsatz.
Recht ungewöhnlich war die kurzzeitig ein
gesetzte ,,Navigationsförderung". Darunter
verstanden unsere Alten die Förderung mittels
eines Kahns. Dafür wurde das Wasser in dem
betreffenden Förderabschnitt des Stollens ca.
0,5 m hoch angestaut.
Der Kahn fasste einen
Inhalt von ca. 0,665
m3. Allerdings wurde
diese Kahnförderung
nach einem 1/2 Jahr
Betriebszeit wieder
eingestellt. Speziell
das Be und Entladen
des Kahns erwies
sich zu aufwendig.
Deshalb ging man
wieder zu der Strek
kenförderung mittels
Laufkarren bzw. mit
dem Englischen Wa
gen über. Bei dem
Laufkarren handelt es
sich um eine Art Schubkarren mit einem In
halt von ca. 0,064 m
3
. Er wurde bevorzugt bei
kurzen Förderwegen (ca. 80 bis 120 m) unter
tage, aber auch übertage eingesetzt. Bei dem
Karren entfiel ein zeitaufwendiges Auskratzen
der Berge. Ein weiterer Vorteil waren seine
geringen Baukosten von ca. 4 Taler gegenüber
60 Taler für einen Wagen. Weiterhin musste
für die Wagenförderung ein spezieller Wa
genweg (Kosten von 1 Taler für 1 Meter Wa
genweg) angelegt werden. Der Inhalt des Eng
lischen Wagens betrug ca. 0,4 m
3
. Bei einer
Länge des Förderwegs von ca. 210 m wurden
durch den Förderjungen in einer achtstün
digen Schicht etwa 9 bis 10 Wagen vom Ort
bis unter den Schacht gefördert. Während der
Vortriebsort im Normalfall in drei Schichten
belegt war, wurden die Förderarbeiten in der
Früh und Mittagschicht bewältigt. Die Eng
lische Wagenförderung verlangte besondere
Sorgfalt bei der Anlegung eines sehr genauen
und parallelen Wagenweges. Die gusseisernen
Räder des Wagens liefen auf den sogenannten
Laufbäumen. Bei ihnen handelt es sich um
quadratische Holzlatten (ca. 10 cm x 10 cm),
die zur Verbesserung der Haltbarkeit sowie
zum besseren Lauf der Wagen mit eisernen
Belägen versehen waren.
Tagesförderung
In der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen
im Mansfelder Bergrevier in der Schachtför
derung neben Pferdegöpel auch Haspel mit
einer unterschiedlichen Anzahl (1, 2, 3, und
4männisch) von Förderleuten, zum Einsatz.
Die Zeichnung von E. HEUCHLER aus dem
Jahr 1867 verdeutlicht sehr anschaulich die
Arbeit an einem Schachthaspel. Weiterhin ist
auf ihr der bereits beschriebene Laufkarren zu
sehen, der von dem sogenannten Karrenläufer
geschoben wurde.
Die Schachtförderung in dem ca. 88 m tiefen
10. LL des SchlüsselStollens wurde im Jahr
1826 mittels eines 3männischen Haspels
durchgeführt. Die Personenfahrung erfolgte
über Fahrten. Unter dem Schacht wurde das
aus dem Stollenvortrieb abgeförderte Gestein
aus den Wagen ausgestürzt und in den Förder
kübel umgeladen. Die verwendeten Förderkü
bel der Schachtförderung fassten einen Inhalt
von 0,035 m3. Das Förderquantum des 10. LL
lag pro Schicht bei 105 Kübel, was etwa ca.
3,7 m
3
entspricht. Ein einfacher Vergleich
soll diese Leistung verdeutlichen: Die zu
letzt im Sangerhäuser Revier eingesetzten
Förderwagen hatten einen Kasteninhalt
von ca. 0,540 m
3
, d.h. im 10. LL wurden
vergleichsweise der Inhalt von ca. 7 Förder
wagen je Schicht gefördert. Auch heute, fast
40 Jahre nach der Einstellung des Kupfer
schieferbergbaus in der Mansfelder Mulde
bietet sich den Besuchern am Mundloch des
SchlüsselStollens ein imposantes Bild. Das
stetig ausströmende Stollenwasser aus dem
weiten Grubenfeld der Mansfelder Mulde
erinnert eindrucksvoll an ein ingenieur
technisches Bauwerk, welches mit hohem
bergmännischen Wissen und Können durch
mehrere Generationen von Mansfelder
Bergleuten geschaffen wurde.
Verein der Mansfelder Berg- und Hüttenleute e.V.
73
Herausgeber/Redaktion/Anzeigen:
Ursula Weißenborn
Th.-Müntzer-Str. 167, 06313 Hergisdorf
Telefon:
(03 47 72) 3 20 12 (p)
Tel.:
(0 34 75) 74 80 20
Fax:
(0 34 75) 74 82 50
Funk:
(0177) 3 26 65 49
E-Mail: Mansfeld-Echo@t-online.de
Auflage:
12.000 Stück
Redaktionsschluss:
24.09.2009
Satz und Druck:
Halberstädter Druckhaus GmbH
Telefon: (0 39 41) 69 56-0
Ein bemerkenswertes Jubiläum 200 Jahre Schlüssel-Stollen
Dr. Stefan König
Mit dem nachfolgenden Artikel wird an ein
bedeutendes Jubiläum in der Mansfelder Mon
tangeschichte erinnert: An die Namensgebung
und den Beginn der Auffahrung des ,,Tiefen
Mansfelder Schlüsselstollns" vor 200 Jahren.
Am 12. Dezember 1809 setzte man unter die
sem Namen den Betrieb eines Stollenbauwer
kes fort, das im Jahr 1758 als ,,Friedeburgischer
neuer Haupt und Erbstolln" nach siebenjähriger
Betriebszeit bei einer Auffahrungslänge von ca.
920 m eingestellt wurde. Umfangreiche mon
tanhistorische Details zu der Auffahrung des
SchlüsselStollens vermitteln mehrere Beleg
arbeiten von Schülern der Bergschule Eisleben.
Sie wurden vom Beginn bis Mitte des 19. Jahr
hunderts angefertigt. Unter den Bergschülern
finden wir die Namen bekannter und verdienst
voller Bergbeamter. Besonders erwähnt soll
Oberberghauptmann Albert Serlo (18241898),
Leiter der preußischen Bergverwaltung in Ber
lin, und Bergrat Eduard Schrader (18231891),
Vertreter des OberBerg und HüttenDirektors
der Mansfeldschen Kupferschiefer bauenden
Gewerkschaft. Die Bergschularbeiten werden
als historischer Schatz im Archiv des Mans
feldMuseums Hettstedt gepflegt und bewahrt.
Nachfolgend werden einige interessante Details
aus diesen Bergschularbeiten vorgestellt:
1751 bis 1758 Der Betrieb
des ,,Friedeburgischen neuen
Haupt- und Erbstollns"
Am 6. Februar 1751 wurde westlich von Friede
burg mit der Auffahrung dieses Stollens durch
die Rothenburger Erz und Schieferngewerk
schaft begonnen. Er sollte die im preußischen
Besitz liegenden Lagerstättenteile aufschließen
sowie eine Wasserabführungsmöglichkeit für
die Tiefbaue der benachbarten Reviere zwischen
Gerbstedt und Hettstedt schaffen. Der Gedanke,
dass dieser Stollen einmal die Wasserabführung
der gesamten Mansfelder Mulde übernehmen
sollte, reifte erst später und wurde am 29. Mai
1879 mit dem Durchschlag der Stollenorte am
TheodorSchacht bei Klostermansfeld Realität.
Von dem Bergschüler C. HAHN (18051882)
liegt aus dem Jahr 1826 eine ausführliche Be
schreibung der Stollenauffahrungen im 18.
und zu Beginn des 19. Jahrhunderts vor. In den
Jahren 17511754 wurde der ,,Friedeburgische
neue Haupt und Erbstolln" auf einer Länge von
560 m in eine NNWRichtung (ca. 155°) aufge
fahren. Diese Richtung zielte auf den Bereich
der ehemaligen Versuchsschächte auf dem Gal
genberg. In dem ersten Stollenabschnitt wurden
6 Lichtlöcher (LL) niedergebracht. Das 6. LL
wies mit ca. 37 m die größte Teufe auf. Im Be
reich des 6. LL wurde mit dem Erreichen des
Kupferschieferflözes die Richtung des Stollens
in die Streichrichtung des Flözes eingedreht.
Allerdings erwies sich das angetroffene Flöz
als unschmelzwürdig. Auch weitere Untersu
chungsschächte in Richtung des Ausgehen
den erbrachten nicht die erhofften Ergebnisse.
Trotzdem wurde die Auffahrung des Stollens
bis zum Jahr 1758 fortgesetzt. Abgeteuft wur
den in dieser Zeit die LL 7 und 8, wobei das
Niederbringen des 8. LL auf Grund von star
ken Wasserzuflüssen große Probleme bereitete.
Auch die Metallgehalte im Flöz änderten sich
nicht zum positiven. Deshalb wurde die Einstel
lung des Betriebs des ,,Friedeburgischen neuen
Haupt und Erbstollns" beschlossen. Stattdessen
wurde die weitere Auffahrung des Katzenthaler
Stollens forciert betrieben. Mit diesem Stollen
bestand eine größere Chance schneller abbau
würdige Flözfelder aufzuschließen.
Wiederaufnahme der Stollen-
auffahrung unter neuem Namen
Am 11. November 1809 wurde nach 51 Jahren
Ruhe die Auffahrung des ,,Tiefen Mansfelder
Schlüsselstollns" begonnen. Er setzte die Auf
fahrung an der Stelle fort, wo vor 51 Jahren der
,,Friedeburgische neue Haupt und Erbstolln"
eingestellt wurde. Dafür wurde der bereits
vorhandene ca. 920 m lange Stollen genutzt.
Weiterhin erhielt das Mundloch ein stattliches
Aussehen. Leider existiert von ihm nur noch
eine Nachzeichnung unbekannter Herkunft.
Der alte Stollen wurde gereinigt und in einen
gangbaren Zustand versetzt. Die alte enge und
niedrige Stollenmauerung wurde herausgeris
sen und durch eine elliptische ersetzt. Weiterhin
entschloss man sich den Stollen im Liegenden
des Flözes aufzufahren und änderte dement
sprechend die Vortriebsrichtung.
Vortriebsarbeiten
Mit dem Vortriebsarbeiten waren im Jahr 1826
je Schicht vier Häuer beschäftigt, die in der
Früh, Mittag und Nachtschicht arbeiteten.
Jeder dieser vier Häuer bearbeitete seinen spe
ziellen Ortsabschnitt, der als Strosse bezeichnet
wurde. Man unterschied zwischen den beiden
Einbruchsstrossen sowie der Firsten und Soh
lenstrosse. Besonderes Augenmerk wurde auf
die Ausnutzung von geologischen Trenn und
Schwächezonen für die Vortriebsarbeiten ge
legt. Ihre Ausnutzung ermöglichte leichtere
und schnellere Vortriebsarbeiten, wie z. B.
durch Schrämen oder Schlitzen des Gesteins.
In der Zeichnung von HAHN (1826) ist zu
erkennen, dass eine horizontale Schichtfuge
geschickt für die Vortriebsarbeiten ausgenutzt
wurde. Sie diente als Lösefläche für die Spren
gung der Sohlenstrosse. Die Sprenglöcher wur
den unterschiedlich tief gebohrt. Während z. B.
die Länge der Bohrlöcher der Firstenstrosse ca.
0,50 m betrug, waren die der Einbruchsstrossen
nur ca. 0,25 m lang. Nach Angaben von HAHN
(1826) mussten für den Vortrieb von ca. 2 m
Stollen insgesamt 91 Bohrlöcher in das Gestein
Übersichtskarte des Schlüsselstollens.
Portal des Schlüsselstollens.
Auslauf des Schlüsselstollens